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Podcast mit Leo van der Velde: Dekker Zevenhuizen über Greengridz, Nachhaltigkeit und die Küche der Zukunft

In dieser Folge von „Keukencast“ geht Moderator Jerry Helmers im Gespräch mit Leo van der Velde, Geschäftsführer von Dekker Zevenhuizen. Sie sprechen über Unternehmertum in der Küchenbranche, die Stärke von Familienunternehmen, die wachsende Bedeutung von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, die Entwicklung von Greengridz sowie die Trends, die das Aussehen von Küchen bis zum Jahr 2040 prägen werden. Auch KI, Materialtrends, das Dekker Trend Center und die sich wandelnde Rolle des Küchenspezialgeschäfts werden ausführlich behandelt.

Podcast mit Leo van der Velde: Dekker Zevenhuizen über Greengridz, Nachhaltigkeit und die Küche der Zukunft 1
Transcriptie

[00:02] Begrüßung und Vorstellung von Leo van der Velde
Jerry Helmers: Schön, dass du wieder dabei bist. Herzlich willkommen. Du bist bei Keukencast, dem Podcast für alle Fachleute in der Küchenbranche. Mein Name ist Jerry Helmers und ich bin der Moderator und Gesprächsleiter. Und wen habe ich heute im Studio? Leo van der Velde, den Big Boss von Dekker Zevenhuizen aus Zevenhuizen.
Jerry Helmers: Leo, herzlich willkommen. Hattest du eine gute Reise von Zevenhuizen hierher ins malerische Weert, wo wir uns gerade im Studio befinden?
Leo van der Velde: Ja, ich hatte eine gute Fahrt. Es gab nicht allzu viel Stau, also lief alles reibungslos.
Jerry Helmers: Nun, heutzutage ist der Tag für den durchschnittlichen Niederländer schon gut, wenn man nicht im Stau steht. Kein Regen, kein Schnee.
Leo van der Velde: Kein Regen, kein Schnee.

[00:47] Warum Hörer weiter zuhören sollten
Jerry Helmers: Sehr schön. Wir werden uns gleich noch etwas näher kennenlernen. Und für diejenigen, die dich vielleicht noch nicht kennen, ist es natürlich immer ein Muss, zu erfahren, wer du bist und was du bei Dekker Zevenhuizen machst. Aber bevor wir das tun, möchte ich erst einmal von dir hören: Warum sollte der Zuhörer weiterzuhören? Wer sollte eigentlich weiterzuhören? Welches Versprechen wirst du geben? Warum sollten die Leute weiter zuhören?
Leo van der Velde: Ich finde, Dekker ist ein wirklich tolles Unternehmen, ein Familienbetrieb. Unser Motto lautet: „Einfach machen“ – ganz im Stil von Rotterdam. Zevenhuizen liegt ja auch in der Nähe von Rotterdam.
Jerry Helmers: Ich höre auch einen leichten Rotterdamer Akzent. Oder zumindest aus der Gegend.
Leo van der Velde: Ich bin in Den Haag geboren und aufgewachsen. Aber vielleicht haben mich meine Kollegen schon seit ein paar Jahren beeinflusst. Das hat sich wohl ein bisschen auf mich übertragen. Also einfach machen, außergewöhnlich unternehmen. Und ich finde es unglaublich schön, etwas über unser Familienunternehmen zu erzählen. Und ich denke, dass es vielleicht auch für andere Menschen schön ist, dem zuzuhören.
Jerry Helmers: Ja, aber warum macht es Spaß, dir zuzuhören? Was versprichst du den Leuten? Bevor sie wegklicken.
Leo van der Velde: Bitte nicht wegklicken. Ich werde euch etwas über außergewöhnliches Unternehmertum erzählen. Was ist nachhaltiges Unternehmertum? Wie setzen wir das um? Und wie funktioniert das in einem Familienunternehmen?
Jerry Helmers: Außergewöhnliches Unternehmertum. Können wir das also auch als eine Art Unternehmer-Podcast betrachten?
Leo van der Velde: Nun ja, es ist ein Familienunternehmen. Und ich glaube fest an Familienunternehmen, weil sie immer auf Kontinuität bedacht sind. Das ist etwas ganz anderes, als wenn man ein börsennotiertes Unternehmen oder eine Investmentgesellschaft ist. Und ich finde, dass es in der Küchenbranche sehr viele Familienunternehmen gibt, was die Art der Zusammenarbeit wirklich sehr angenehm macht. Ich hoffe also, dass Unternehmer aus der Küchenbranche zuhören, die denken: Oh ja, das kenne ich. Oder: Ich rufe diesen Leo mal an, denn ich finde, was er sagt, stimmt nicht. Nun, das finde ich auch gut.
Jerry Helmers: Kann ich dich schon jetzt bitten, am Ende dieses Podcasts zum Beispiel zwei oder drei ultimative Tipps für Unternehmer zu geben, die wir in der Küchenbranche umsetzen können?
Leo van der Velde: Nun, ich weiß nicht, wie viele Tipps es gibt, die jedem sofort weiterhelfen, aber ich werde auf jeden Fall die Tipps weitergeben, mit denen sich unser Unternehmen beschäftigt und warum uns das so viel Spaß macht.

[02:34] Thesen zu Nachhaltigkeit, Familienunternehmen und Kreislaufwirtschaft
Jerry Helmers: Darf ich dir ein paar Thesen vorlegen?
Leo van der Velde: Klar.
Jerry Helmers: Und darauf darfst du zustimmen oder widersprechen. Oder besser gesagt: Darauf musst du sogar antworten, denn ich gebe mich natürlich nicht mit einer ausweichenden Antwort zufrieden. Ich habe mir ein paar notiert. Hier kommt die erste: Ein Küchenspezialgeschäft, das nichts zum Thema Nachhaltigkeit zu sagen hat, wird bald den Anschluss verpassen.
Leo van der Velde: Nein.
Jerry Helmers: Du bist also anderer Meinung?
Leo van der Velde: Ich bin anderer Meinung.
Jerry Helmers: Da bin ich anderer Meinung. Ein Familienunternehmen kann schneller auf Nachhaltigkeit umstellen als ein großer Konzern.
Leo van der Velde: Ja.
Jerry Helmers: Einverstanden?
Leo van der Velde: Stimmt.
Jerry Helmers: Dabei ist Dekker Zevenhuizen ja auch ein ziemlich großer Konzern. Da verliert man sich schon auf dem Parkplatz.
Leo van der Velde: Ja, vielleicht auf dem Parkplatz. Aber ansonsten ist es ein unglaublich charmantes Familienunternehmen.
Jerry Helmers: Charmant. Dann bist du ja doch ein Botschafter. In der Küchenbranche ist die billigste Wahl selten die beste Wahl.
Leo van der Velde: Das hängt ganz vom Kunden ab.
Jerry Helmers: Ja, dann sind wir uns einig oder nicht einig.
Leo van der Velde: Ich bin anderer Meinung.
Jerry Helmers: Da bin ich anderer Meinung. Vielleicht kommen wir später noch dazu, das etwas differenzierter zu betrachten. Letztendlich entscheiden sich Verbraucher doch häufiger für die Farbe als für Nachhaltigkeit.
Leo van der Velde: Richtig. Genau.
Jerry Helmers: Zuletzt: Kreislaufwirtschaft wird erst dann interessant, wenn der Verbraucher keine Abstriche machen muss.
Leo van der Velde: Stimmt.
Jerry Helmers: Wir haben etwa fünf Thesen durchgesprochen. Ich lege sie hier neben mich. Ich habe natürlich fleißig mitgeschrieben. Wir schauen mal, worauf wir später noch zurückkommen werden. Aber zuerst: Leo van der Velde. Wer ist Leo van der Velde?

[04:00] Hintergrundinformationen zu Leo van der Velde
Leo van der Velde: Das bist du. Geboren in Den Haag. Und Vater von zwei Söhnen, die mittlerweile 18 und 20 Jahre alt sind. Und beide einen Kopf größer als ich. Ich bin Geschäftsführer bei Dekker. Und das mache ich nun schon seit 13 Jahren. Davor war ich bei MHK tätig, einer Einkaufsorganisation in Deutschland. Dort war ich im Vorstand der internationalen Gruppe. Ich habe auch dort in der Nähe von Frankfurt gewohnt. Das war auch eine ganz andere Führungsstruktur als die, die wir in den Niederlanden kennen.
Jerry Helmers: In Deutschland ist es wahrscheinlich etwas formeller, schätze ich.
Leo van der Velde: „Formalistischer“ ist meiner Meinung nach ein guter Ausdruck. Und auch etwas hierarchischer.
Jerry Helmers: Meinst du damit auch, dass es innerhalb eines Unternehmens mehr Respekt gegenüber den Leuten gibt, die in der Hierarchie über dir stehen?
Leo van der Velde: Nun, ich weiß nicht, ob es mehr Respekt gibt, daran habe ich meine Zweifel, denn ich glaube nicht, dass die Leute automatisch Respekt haben, aber es gibt schon eine gewisse Förmlichkeit und eine Art Hierarchie, die wir in den Niederlanden nicht so gut kennen. Ich habe mal so ein Bild gezeichnet, als ich bei Dekker anfing. Da hast du so einen Adler, der ganz oben sitzt und auf die Adler darunter scheißt. Und die untere Ebene gibt es wieder an die anderen weiter. Das ist die Führungsstruktur in Deutschland, sagte ich also. Und in den Niederlanden ist die Führungsstruktur genau umgekehrt. Die Belegschaft sitzt ganz oben und schiebt den Mist nur nach unten, wenn sie ein Problem hat. Ansonsten lösen sie alles selbst. Aber wenn die Kacke am Dampfen ist, geht es an den Vorgesetzten. Und wenn man in den Niederlanden an der Spitze eines Unternehmens sitzt, bekommt man eigentlich die meiste Scheiße ab. Und in Deutschland bekommen sie die meiste Scheiße ab. Das ist eigentlich, bildlich gesprochen, so ein bisschen ein Abbild der Strukturen.
Jerry Helmers: Was würdest du lieber haben?
Leo van der Velde: Nun, beides hat seine Vorteile. Sehen Sie, der große Vorteil ist, dass die Menschen in den Niederlanden eigentlich selbst nach Lösungen suchen, Probleme selbst lösen und eigentlich nur zu einem kommen, wenn sie denken: Hey, das läuft vielleicht nicht ganz rund, ich werde das mal mit dir absprechen. Und in Deutschland ist es natürlich auch mal ganz angenehm, wenn die Leute einfach das tun, was man von ihnen verlangt.
Jerry Helmers: Höre ich da einen stillen Wunsch?
Leo van der Velde: Nun ja, ein heimlicher Wunsch. Aber es gibt schon mal einen Tag im Monat oder so, an dem man sich denkt: Es wäre schön gewesen, wenn es auf die deutsche Art gemacht worden wäre, statt dass ich tagelang damit beschäftigt bin.
Jerry Helmers: Traust du dich noch, diesen Podcast bei all deinen Mitarbeitern zu bewerben?
Leo van der Velde: Ja, denn ich glaube, dass wir dadurch in den Niederlanden viel mehr Eigenverantwortung haben. Dass sich viel mehr Menschen selbst für etwas verantwortlich fühlen, weil sie auch die Freiheit haben, Lösungen zu entwickeln. Und das funktioniert in unserer Kultur natürlich in gewisser Weise viel besser als in einer eher formalistischen oder hierarchischen Kultur. Auf der anderen Seite: Wenn man sich die deutsche Kultur ansieht, dann funktioniert es in Deutschland wiederum gut, wenn es sich um einen eher stabilen Prozess handelt, also um reine Produktion, und man sich an Normen, Regeln und alles halten muss. Deshalb gibt es dort qualitativ außerordentlich gute Autos.
Jerry Helmers: Pünktlich. Aber was war für dich der Grund, von MHK zu Dekker Zevenhuizen zu wechseln?

[06:55] Der Wechsel von MHK zu Dekker Zevenhuizen
Leo van der Velde: Ich lebte mit kleinen Kindern in Deutschland. Und meiner Frau gefiel die deutsche Kultur weniger als mir. Also meinte sie so etwas wie: Ich gehe mit den Kindern zurück in die Niederlande. Da dachte ich mir: Na gut, dann komme ich mit. Denn ich finde es nicht besonders toll, nur ab und zu samstags und sonntags das Fleisch zu schneiden. Und dann sind vier, fünf Stunden Fahrt natürlich doch zu viel.
Jerry Helmers: Aber dann kam irgendwann doch Dekker Zevenhuizen ins Spiel. Ich meine, du hast ja schon in der Gastronomie gearbeitet, also kanntest du das Unternehmen natürlich bereits.
Leo van der Velde: Ja, ich kannte Dekker. Er war in den Niederlanden der wichtigste Lieferant von MHK. Also habe ich einfach gesagt: Ich gehe zurück in die Niederlande. Und dann kam Jan Hogebroek, der damalige Geschäftsführer, irgendwann auf mich zu. Er sagte: Leo, ich möchte am 12.12.2012 in den Ruhestand gehen. Und ich dachte: Vielleicht ist das ja etwas für dich. Also habe ich Gespräche mit Dekker und dem Aufsichtsrat aufgenommen.
Jerry Helmers: Ja, aber was war der Auslöser dafür, dass du gesagt hast: Ich mache das für Dekker Zevenhuizen und nicht für ein anderes Unternehmen?
Leo van der Velde: Nun, ich kannte das Unternehmen, aber natürlich nicht besonders gut. Ich kannte ein paar Leute. Ich kannte Peter Hoordijk, den Vertriebsleiter. Ich kannte Ben van Elk und ich kannte Jan Hogebroek.
Jerry Helmers: Ben van Elk ist in der Marketingabteilung tätig.
Leo van der Velde: Ja, Marketing, Produktentwicklung, Innovationen. Und was mir bei Dekker immer gefallen hat: Man hatte immer nette Gespräche mit diesen Leuten. Die Leute von Dekker haben immer mitgedacht. Wenn man als Einkaufsteam ein Problem hatte, haben sie es gemeinsam mit einem gelöst. Ich hatte also einen sehr positiven Eindruck von dem Unternehmen. Das gönnte einem den Umsatz. Also dachte ich: Na gut, dann gönne ich mir auch, dort zu arbeiten.
Jerry Helmers: Und sie sind nach all den Jahren immer noch glücklich mit dir?
Leo van der Velde: Das hoffe ich doch. Das hoffe ich doch.
Jerry Helmers: Das hofft man doch. Was hast du in den 12, 13 Jahren, die du dort nun arbeitest, erreicht?

[08:27] Wachstum und Strategie bei Dekker
Leo van der Velde: Nun, als ich dort anfing zu arbeiten, stellte Dekker hauptsächlich Laminat-Arbeitsplatten her. Wir hatten eine Fabrik in Zevenhuizen und sind mit dem gesamten Unternehmen gewachsen. Das war auch ein Wunsch von Arie Dekker. Und das finde ich eigentlich ziemlich lustig, das zu sagen. Als ich dort anfing zu arbeiten, sagte er: Das Wichtigste ist, denn er war damals schon über 70. Also sagte ich zu ihm: Was willst du denn mit der Firma machen? Denn wenn du nicht mehr da bist, muss sie verkauft werden. Nein, das muss immer weiterbestehen. Und da sagte ich: Na ja, dafür müssen wir schon ein paar Dinge regeln. Und da sagte er: Ach, mach dir keine Sorgen. Ich werde 100, also bin ich noch da, bevor du in Rente gehst. Ich sagte: Na ja, das könnte schon sein. Aber angenommen, du gehst nächstes Jahr, dann würde ich doch gerne wissen, was du mit dem Unternehmen vorhast. Und dann sagte er: Für mich ist das Unternehmen die Menschen. Die sind schon immer hierhergekommen, die arbeiten hier und die kommen aus dieser Region. Und ich möchte, dass diese Kontinuität erhalten bleibt. Jeder muss immer weiterarbeiten können, wenn er sein Bestes gibt. Und ich sagte: Na ja, ein Unternehmen muss wirtschaftlich schon ein bisschen rentabel sein. Die Personalkosten steigen ständig. Wenn man also alle weiterbeschäftigt und produktiver werden will, müssen wir wachsen. Ich sagte: Wir wollen auch nicht wie Japan werden. Dass man irgendwann nur noch über 60-Jährige hat und keine jungen Leute. Denn dann hat man demografisch gesehen natürlich auch ein Problem. Ich sagte: Also ja, dann müssen wir auch für junge Leute attraktiv sein. Wenn also auch noch neue Leute dazukommen müssen, alle weiterarbeiten sollen, dann müssen wir eigentlich wachsen. Nun, das war dann die Strategie. Im zweistelligen Bereich wachsen. Das war also damals, aufgrund seines Bestrebens, alle in Arbeit zu halten, die Wachstumsstrategie von Dekker.
Jerry Helmers: Aber wie hast du das geschafft?
Leo van der Velde: Letztendlich haben wir Übernahmen getätigt.
Jerry Helmers: Wir sprechen also gleich über Unternehmertum, nicht wahr?
Leo van der Velde: Ja, wir haben einige Übernahmen getätigt. Ich hatte unglaubliches Glück, dass Erbi gerade insolvent gegangen war, als ich bei Dekker anfing. Dadurch konnten wir Erbi übernehmen, was uns einen großen Sprung nach vorne im Bereich Ziegel ermöglichte. Wir haben begonnen, neue Produkte zu entwickeln, wie zum Beispiel Greengridz, das wir auf dem Markt vorgestellt haben. Letztendlich haben wir nun in den Niederlanden fünf Werke: Zevenhuizen, Alphen, Wijchen, Deurne und Serskamp. Und wir sind im Ausland tätig, mit einer Beteiligung in Belgien und einer eigenen Präsenz auf dem deutschen Markt.
Jerry Helmers: Und wie viele Mitarbeiter habt ihr derzeit in den Niederlanden?
Leo van der Velde: 500 und ein bisschen.
Jerry Helmers: Ein bisschen schon. Und sie sind in Zevenhuizen und Umgebung ein wichtiger Arbeitgeber.
Leo van der Velde: Ja, in Zevenhuizen waren wir ein großer Arbeitgeber, auch wenn das Dorf in den letzten Jahren ziemlich gewachsen ist. Es ist mittlerweile eine Gemeinde mit 50.000 Einwohnern geworden, wächst also kräftig. Daher werden wir relativ gesehen zu einem kleineren Arbeitgeber.
Jerry Helmers: Aber es arbeiten ja noch mehr Leute dort. Wenn man so will, denn unsere Zuhörer sind vor allem Fachgeschäfte für Küchen, Fachhändler und Verkäufer in Ausstellungsräumen. Was für ein Image hat euer Unternehmen bei ihnen, was meinst du? Ich habe das zwar nicht untersucht, aber es ist eine offene Frage.

[10:58] Das Image von Dekker in der Küchenbranche
Leo van der Velde: Nun ja, ich hoffe, dass das Gefühl, das ich hatte, als ich bei Dekker anfing, weiterhin besteht – dass es ein Unternehmen ist, bei dem man sich wohlfühlt. Dass man mitdenkt, wenn man ein Problem hat. Schau mal, letztendlich finde ich die Küchenbranche eine unglaublich interessante Branche. Warum? Weil, wie die Deutschen sagen: Geschäfte werden unter Menschen gemacht. Und das gilt in der Küchenbranche wirklich noch. Ein Küchenstudio verkauft seine Küche, weil der Kunde ein gutes Gefühl bei dieser Person hat. Denn natürlich kann er eine Küche überall kaufen, und viele Menschen können schöne Entwürfe erstellen. Aber warum kaufen sie bei einem Küchenstudio? Weil sie es eigentlich der Person, mit der sie das Gespräch führen, gönnen. Er hat sich Mühe gegeben, gut zugehört, er hat einen Nerv getroffen. Sie gönnen es ihm. Das ist eigentlich das, was in der Küchenbranche dafür sorgt, dass Menschen ihre Küche verkaufen. Und ich hoffe, dass das auch in der Branche so ist. Dass ein Küchenstudio mit uns zusammenarbeitet, weil es uns das auch gönnt. Und natürlich müssen wir gute Preise haben, ein gutes Produkt und den Service gut abwickeln. Aber sie müssen es dir auch gönnen. Denn sie kommen natürlich auch ganz gut ohne dich zurecht. Dann machen sie es mit jemand anderem, dem sie es gönnen. Ich hoffe also, dass Dekker den Eindruck vermittelt, dass wir unser Bestes für unsere Kunden geben. Und bei Farben, Einrichtung und im Showroom helfen.
Jerry Helmers: Also, was ich gerade sagen wollte: Der Showroom – ich war auch regelmäßig dort. Ich persönlich finde ihn wirklich wunderschön. Ihr ändert auch ab und zu die Aufstellung. Das ist natürlich immer sehr klug. Warum habt ihr euch so entschieden, wie ihr euch entschieden habt? Wie habt ihr den Showroom eingerichtet?

[12:22] Vom Showroom zum Dekker Trend Center
Leo van der Velde: Eigentlich war es so, dass unsere Vertreter vor einigen Jahren mit kleinen Musterplatten zum Küchenfachgeschäft gingen. Und dann sagten sie: Das werden die acht, neun, zehn neuen Farben.
Jerry Helmers: Genau für dieses Jahr.
Leo van der Velde: Ja, für dieses Jahr. Da hattest du dann ein kleines Musterexemplar, das du den Leuten gezeigt hast. Es wäre eigentlich schön, wenn unsere Kunden unsere Produkte einfach in einer etwas schöneren Umgebung sehen könnten. Dass wir einfach zeigen können: Schau mal, das ist eine große Platte. Möchtest du die aufnehmen? Und so könnte man sie aufstellen. Die Idee war also zunächst: Wir bauen eigentlich einen Showroom, damit unsere Kunden zu uns kommen können und wir dort die neuen Kollektionen zeigen können. Van Elk hatte damals auch eine Idee, er wollte mit Monique van der Reijden zusammenarbeiten, und die ist Trendforscherin.
Jerry Helmers: Das ist ein Trendbeobachter, ja genau. Monique.
Leo van der Velde: Ja, sie ist zum Beispiel Chefredakteurin von „Elle Decoration“, gibt aber auch das Magazin für Innenarchitekten heraus, das an den Ausbildungsstätten verwendet wird und alle aktuellen Trends aufzeigt. Und das wird jedes Jahr aktualisiert. Sie ist also wirklich sehr damit beschäftigt. Und er dachte: Weißt du, wenn ich jetzt mit ihr zusammenarbeite und sie uns zeigt, was die Trends für die kommenden Jahre sind, dann können wir mit unserem Produktmanagement eine Auswahl treffen, den Vertrieb und ein paar Kunden einladen und dann sagen: Hey, was passt nun gut zu uns und was nicht? Und was halten wir für interessant für die Küchen? Dann wählen wir die Materialien etwas anders aus. Und so kam die Idee: Wir können den Showroom zeigen, dann können wir auch Trends präsentieren, eine Storyline drumherum bauen und dann kann man vielleicht etwas bessere Entscheidungen bei den verschiedenen Farben treffen. Und das hat sich schließlich weiterentwickelt. Dann fragte ein Kunde: Ich habe hier einen Kunden, und ich habe diese Arbeitsplatte nicht vorrätig, aber sie steht bei euch im Showroom – kann der vorbeikommen? Ja, also haben wir dafür gesorgt, dass jemand aus dem Innendienst dorthin ging, um den Kunden unseres Kunden, also den Verbraucher, zu empfangen. Und so hat sich das schließlich entwickelt, sodass wir jetzt drei Vollzeitmitarbeiter haben. Und ja, Küchenstudios schicken Kunden, und manchmal kommen Leute auch über die Website selbst zu uns.
Jerry Helmers: Ja, denn wenn ich bei euch bin, sehe ich auch regelmäßig Kunden, die ein bisschen dort durchschlendern oder sich unterhalten. Aber wir reden immer vom Showroom. Wir nennen das doch eigentlich „Inspiration Center“, oder?
Leo van der Velde: Ja, Dekker Trend Center.
Jerry Helmers: Ah, das Trend Center, das war es.
Leo van der Velde: Dekker Trend Center. Die Trends lassen sich an den Küchenarbeitsplatten erkennen.
Jerry Helmers: Ja, nein, aber muss ich dir jetzt helfen, das richtige Wort zu finden? Ich wusste, dass es etwas gab, es war etwas anderes als „Showroom“.
Leo van der Velde: Ja, ich wollte dich nicht korrigieren, als du von einem Showroom gesprochen hast, aber eigentlich handelt es sich um ein Dekker Trend Center.
Jerry Helmers: Ein Trend Center, genau. Diese Verbraucher kommen also regelmäßig bei euch vorbei. Das habe ich tatsächlich auch mit eigenen Augen gesehen. Gleichzeitig haben die Verbraucher meiner Meinung nach auch immer mehr Interesse daran, was in der gesamten Lieferkette passiert. Ich glaube, das kannst du bestätigen, aber ich bin sehr neugierig, woher dieses Gefühl kommt. Oder wie kommt es, dass der Verbraucher viel mehr wissen will als früher?

[14:57] Lieferkettenoptimierung und die Küche als Beispiel für maßgeschneiderte Lösungen
Leo van der Velde: Ja, ich denke, die Prozessoptimierung ist auf jeden Fall sehr interessant, wenn man sich die Küchen ansieht.
Jerry Helmers: Moment mal, Lieferkettenoptimierung?
Leo van der Velde: Ich meine damit die Lieferkette. Was passiert vom Zulieferer bis hin zum Verbraucher?
Jerry Helmers: Bis hin zum Verbraucher, ja.
Leo van der Velde: Und vor langer Zeit, bevor ich bei MHK anfing, war ich noch Assistenzprofessor für Supply-Chain-Management an der TU Delft. Das war, bevor ich in die Küchenbranche kam. Damals dachte ich: Nun, die Küchenbranche hatte ich mir früher nie angesehen. Aber als ich anfing, in der Küchenbranche zu arbeiten, wurde mir unglaublich klar, dass es sich um eine unglaublich besondere Branche handelt. Wenn man sich nämlich das Supply-Chain-Management ansieht, ging es Ende der 90er Jahre um Mass Customization. Wie kann man etwas auf industrielle Weise kundenspezifisch gestalten? Und das lässt sich bei allen möglichen Arten von Produkten umsetzen. Aber wenn man sich nun die Küche ansieht, dann ist das eigentlich ein Prototyp der Mass Customization. Denn letztendlich entwirft der Designer eine Küche nach den Vorgaben des Verbrauchers. Diese wird dann auf Bestellung gefertigt, ist nicht auf Lager, sondern wird auf Bestellung produziert. Und die Endmontage findet zudem noch beim Verbraucher zu Hause statt. Wenn man einen Hubschrauber baut, hat man ebenfalls eine ganze Lieferkette. Aber dann hat man einen ganz speziellen Raum, in dem man ihn fertigstellt.
Jerry Helmers: Konfiguration ist der Standard.
Leo van der Velde: In den Niederlanden gibt es in der Küchenbranche keine Standardlösungen. Ein Küchenverkäufer ist also eigentlich ein Designer, der auf der Grundlage bestimmter Elemente sowie der Kundenwünsche und -vorgaben ein wirklich schönes Design entwirft. Es entsteht ein funktionales Design. Und das muss dann auch noch passen und beim Kunden zu Hause installiert werden, wo dieser manchmal sogar selbst vorbeikommt, um zu schauen, ob alles gut läuft – also unter Druck. Es handelt sich also eigentlich um eine wahnsinnig interessante Lieferkette.
Jerry Helmers: Aber warum will der Verbraucher das wissen? Das war meine erste Frage.
Leo van der Velde: Diese Lieferkette ist also sehr wichtig, und was man derzeit beobachtet, ist: Der Verbraucher hat tatsächlich Einfluss. Denn er kommt in einen solchen Laden, und das gesamte Produkt wird im Grunde nach seinen Wünschen zusammengestellt. Und was man in der gesamten Gesellschaft beobachtet, ist, dass die Menschen sich immer mehr dafür interessieren: Woher kommt das denn? Wer stellt das her? Wird das fair produziert? Bald kommen diese Leute zu mir nach Hause, um etwas zu montieren – was für Menschen werden das sein? Und dieses Gefühl muss sehr gut sein. Es gibt also tatsächlich einen Trend, dass die Menschen sich immer mehr dafür interessieren, wie diese Kette aussieht, woher meine Sachen kommen, wo sie hergestellt werden, ob sie fair hergestellt werden, ob es Produkte sind, die keine Mikroplastik verursachen, ob kein Blei in meinem Leitungswasser ist und wer das kontrolliert? Die Menschen interessieren sich sehr wohl dafür. Die Gesundheit – was passiert in meinem Lebensumfeld durch die Dinge, die ich kaufe?

[17:36] Kenntnisse über die Lieferkette im Fachhandel
Jerry Helmers: Können die Verkäufer im Showroom solche Fragen alle beantworten?
Leo van der Velde: Ich glaube, ein Verkäufer im Showroom ist eigentlich ein Designer. Und natürlich gibt es verschiedene Arten von Geschäften mit unterschiedlichen Ansätzen. Das eine positioniert sich anders als das andere. Dadurch spricht es auch andere Kunden an. Und ich muss sagen, ich bin wirklich sehr beeindruckt von der Qualität der Designer. Ich war vor zwei Wochen auf einer Messe. Dort wurde die schönste Küche der Niederlande gekürt. Und wenn man dann sieht, welche Küchen dort präsentiert werden, welche Designs, welche Herausforderungen es gab. Und diese Küchenverkäufer, die das eigentlich ganz gut auf die Bedürfnisse des Kunden abstimmen. Und sobald ein Kunde an bestimmten Dingen interessiert ist – woher es kommt, wo es hergestellt wird –, können sie darüber berichten.
Jerry Helmers: Wir versuchen natürlich auch, dies als Teil dieser Kette zu vermitteln, um es den Verkäufern in den Küchenausstellungsräumen selbst zu erklären und es den Küchenfachgeschäften mitzuteilen.
Leo van der Velde: Ausstellungsraum – das ist auch so ein schönes Wort.
Jerry Helmers: Ausstellungsraum. Aber wie soll das eurer Meinung nach funktionieren? Denn irgendwo müssen sie dieses Wissen ja herbekommen.
Leo van der Velde: Wir haben im DTC eine ganze Wand davon.
Jerry Helmers: Ein Dekker Trend Center?
Leo van der Velde: Ja, dafür haben wir eine ganze Wand, an der wir zum Beispiel zeigen, welche Materialien wir im Rahmen unserer sozialen Unternehmensverantwortung einsetzen. Was bedeutet das? Einer der Aspekte, die dabei eine Rolle spielen, ist natürlich die Kreislaufwirtschaft. Was bedeutet der Green Deal? Weniger Material verbrauchen, aus Abfall neue Produkte herstellen und diese wiederverwenden. Das erklären wir dort und zeigen all diese Komponenten. Das ist recyceltes PET aus deiner Spa-Flasche – und was passiert damit? Was wird daraus gemacht? Das zeigen wir dort. Und es gibt einige Unternehmer, denen das gefällt, die diese Produkte aus den recycelten Materialien in ihrem Laden ausstellen, die eine kleine Wand einrichten, um die Geschichte zu erklären. Und es gibt natürlich einen großen Unterschied: Manche Kundengruppen sind interessierter als andere. Grundsätzlich ist es so, dass das Thema Kreislaufwirtschaft beim Verbraucher noch nicht ganz angekommen ist – das ist eine deiner Thesen –, es steht jedenfalls nicht ganz oben auf der Liste.
Jerry Helmers: Oft ist es so: Wenn es zu viel kostet, wird die Kreislaufwirtschaft sofort beiseitegeschoben. Denn die Leute können ihr Geld nur einmal ausgeben.

[19:46] Kreislaufwirtschaft, Funktionalität und Preisvergleichbarkeit
Leo van der Velde: Ja, aber das gilt nicht nur für Küchenarbeitsplatten. Es gilt eigentlich für alles. Wenn man Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produkte entwickeln will, muss man dafür sorgen, dass diese Produkte erstens in ihrer Funktionalität gut sind. Das gilt auch für Kleidung. Natürlich kann man einfach einen Jutesack anziehen. Das ist vielleicht sehr umweltbewusst, aber es sitzt nicht besonders bequem. Es sieht auch nicht gut aus. Dann hat man überall diese roten Beulen, das macht also nicht gerade glücklich. Und es sieht auch nicht schön aus. Es ist also nicht funktional. Es muss funktional sein. Denn sonst wird es nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Menschen kaufen. Es muss auch schön sein, denn nur sehr wenige Menschen ziehen einen Jutesack an. Das sieht absolut nicht gut aus. Und man möchte gerne gut aussehen, man möchte schöne Kleidung tragen. Funktionalität und Design sind also wichtig. Diese Produkte müssen also diese Anforderungen erfüllen. Und drittens: Es muss preislich mit anderen Produkten vergleichbar sein. Denn wenn man nicht in der Lage ist, diese Produkte zu einem vergleichbaren Preis anzubieten, sondern sie zehnmal so teuer sind, hat man den Nachteil, dass in all diesen Fällen vielleicht 0,11 % der Menschen sehr hässliche Dinge kaufen wollen, nur weil sie nachhaltig sind. Und vielleicht gibt es auch eine Person, die ein völlig unbrauchbares Produkt kaufen möchte. Und es gibt auch Menschen, die sich das Zehnfache leisten können und das auch wollen. Aber dann hat man überhaupt keinen Fußabdruck, denn dann kaufen nur 1% der Menschen etwas, und es hat auch null Auswirkungen auf unsere gesamte Gesellschaft. Dann hat es keine Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß, es hat null Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit. Es geht also darum, dass es für die breite Masse interessant ist.
Jerry Helmers: Aber dennoch möchte ich wissen: Woher kommt dieses Bedürfnis der Verbraucher, all das wissen zu wollen? Was hat das mit dem Zeitgeist zu tun, in dem wir leben?
Leo van der Velde: Ja, ich glaube, wir werden uns dessen allmählich bewusst – wenn auch nicht alle. Wenn man sich Amerika ansieht, können sich die das auch leisten. Die über 50- und 60-Jährigen interessieren sich oft noch mehr als die mittlere Altersgruppe dafür: Ist das Material gut, ist es gesund und wurde es fair hergestellt?
Jerry Helmers: Nun, die über 50- und 60-Jährigen, die Babyboomer, die können es sich leisten.
Leo van der Velde: Ja, und sie möchten, dass es ihren Kindern und Enkelkindern gut geht. Ich verstehe auch, dass beim Kauf des ersten Eigenheims, wenn man gerade so über die Runden kommt, der Preis eine größere Rolle spielt als die Kreislaufwirtschaft. Aber wenn es genauso teuer ist, sagt doch niemand: Hey, hast du da ein Produkt, das die Umwelt verschmutzt und vergiftet? Na, dann gib mir das mal. Wenn es genauso teuer ist, dann… Es geht darum, dass wir als Industrie in der Lage sein müssen, Produkte herzustellen, die funktional gut sind, die qualitativ gut sind. Also die schön sind, denn schön ist natürlich wichtig, wenn man eine Küche hat. Und die nicht mehr kosten als ein vergleichbares Produkt. Und wenn wir das entwickeln, dann will es jeder kaufen.

[22:30] Die Geschichte der Nachhaltigkeit im Fachhandel
Jerry Helmers: Findest du, dass auch der Fachhandel diese Geschichte erzählen können sollte? Oder anders gesagt: Kann jeder einfach so Kunde bei euch werden?
Leo van der Velde: Zwei verschiedene Fragen.
Jerry Helmers: Ja, aber sie gehen nahtlos ineinander über.
Leo van der Velde: Der erste Punkt ist: Ich finde, dass man als Verkäufer einen Kunden nicht aufdringlich mit etwas belästigen sollte, das man selbst gerne tun möchte. Wenn also ein Kunde hereinkommt und man merkt, dass er daran kein Interesse hat, sondern an einer bestimmten Art von Design, Farbe oder Anordnung interessiert ist, oder wenn er kleine Kinder hat und eine langlebige, sicher in der Nutzung und pflegeleichte Küche möchte, dann muss man sich darauf konzentrieren. Und ich denke, dass Verkäufer das auch tun. Aber in dem Moment, in dem du die Küche entwirfst und eine Bemerkung dazu machst und siehst, dass der Kunde dafür empfänglich und interessiert ist, dann kannst du ruhig etwas mehr darüber erzählen. Denn dann kannst du dich vielleicht wieder von anderen abheben. Aber du musst erst mal vorsichtig anfragen, um zu sehen: Ist der Kunde daran überhaupt interessiert? Ich finde: Man sollte den Leuten nicht mit einer Art Missionarsrede aufdringlich etwas aufschwatzen.
Jerry Helmers: Da geht es in der Tat um die Kommunikation zwischen dem Küchenverkäufer und dem Verbraucher. Aber aus der Sicht von Dekker Zevenhuizen betrachtet: Sagt ihr manchmal auch „Nein“ zu einem Küchenspezialisten und lehnt es ab, dass dessen Kunden bei uns Kunde werden?
Leo van der Velde: Ja, vor allem wenn Menschen ihre Rechnung nicht bezahlen können, ist das für uns natürlich ein entscheidender Punkt. Aber jemand, der bei uns Kunde ist und sagt: „Hey Leo, ich habe überhaupt nichts mit Kreislaufprodukten am Hut, ich will einfach nur ein gutes Produkt zu einem guten Preis.“ Wenn das so ist, dann sagen wir: „Na, dann brauchst du Greengridz, denn das ist das beste Produkt zum besten Preis.“ Dass es zufällig das zirkulärste ist, bringen wir ihm gegenüber nicht zur Sprache, aber er darf es gerne so verkaufen.
Jerry Helmers: Jeder ist willkommen.
Leo van der Velde: Grundsätzlich ist natürlich jeder willkommen.
Jerry Helmers: Verstehe. Was ich noch mit dir besprechen möchte – und was meiner Meinung nach für jeden Showroom-Verkäufer absolut interessant ist: Wir nehmen diesen Podcast im Jahr 2026 auf. Es gibt Trends. Und ihr arbeitet natürlich ohnehin mit einem Trendforscher zusammen. Die wichtigsten Trends in der Küchenbranche: Materialisierung.

[24:34] Trends bei Farben und Materialien
Leo van der Velde: Es ist sehr interessant zu sehen, dass vor fünf Jahren die meistverkauften Farben … Ich erinnere mich noch gut daran, dass Peter Hoordijk auf einer Küchenmarktkonferenz einen Vortrag hielt und der Beamer nicht besonders gut war, sodass man die Details nicht richtig erkennen konnte. Die Pixel waren an der Stelle, wo wir saßen, nur mäßig zu erkennen. Aber man sah also fünf schwarze Flecken, und diese Flecken wiesen Variationen auf: kleine Punkte, kleine Wolken und ein bisschen mehr Grau. Aber im Grunde waren vor fünf Jahren die meistverkauften Farben eigentlich Schwarz- und Grautöne. Und wenn man sich heute ansieht, was sich gut verkauft, dann sind das Brauntöne und Sandtöne. Und das Lustige ist, dass wir gesehen haben, dass das eigentlich zuerst bei Keramikplatten aufkam. Denn früher wurde sehr viel Laminat verkauft. Dann wurde Verbundmaterial eine Zeit lang sehr beliebt. Das ist immer noch das beliebteste Material unter den Steinarten. Und irgendwann kam Keramik dazu. Und Keramik ist natürlich eine gebrannte Fliese. Darauf kann man also drucken, man kann also sehr schöne Natursteine fotografieren und darauf drucken. Es gibt keinen großen Preisunterschied, ob man nun etwas Leichtmeliertes, einen einfachen Farbdruck oder einen ganz wilden Quarzit darauf druckt. Und da sah man also, dass sich die Leute bei Keramik doch oft für diese sehr schönen, etwas…
Jerry Helmers: Piet. Ja, mein Hals kratzt. Ich hole mir kurz ein Glas Wasser. Das ist praktisch für dich. Woher kommen diese Sandtöne?
Leo van der Velde: Das weiß ich eigentlich nicht. Aber was ich weiß, ist, dass es sozusagen eine Wandlung bei Menschen gibt, die denken: Ja, ich mag Sandfarben, ich mag Brauntöne, ich mag warme Farben. Es gibt natürlich schon eine psychologische Theorie, die besagt: Ja, in kalten Zeiten wollen die Menschen warme Farben. Das könnte natürlich ein solcher Effekt sein. Aber man sah damals wilde Brauntöne, die großen Adern mit vielen Farbunterschieden. Und jetzt sieht man, dass das etwas ruhiger wird, aber diese Erdtöne, dieses Braun, das sieht man darin schon. Und das Lustige ist, dass wir das also zuerst bei der Keramik gesehen haben, danach haben wir gesehen, dass es auch beim Laminat auftaucht, und erst danach haben wir gesehen, dass es beim Verbundwerkstoff auftaucht. Und das Interessante daran ist, dass es bei Komposit einen großen Preisunterschied zwischen einfachem und komplexem Komposit gibt. Denn das muss man mit Robotern und mehreren Mischern herstellen. Das hängt also mit dem Produktionsprozess zusammen. Und da sieht man also einen großen Preisunterschied zwischen einfachen Farben und schwierigen, komplexeren Farben. Bei Keramik sieht man das jedoch nicht und bei Laminat sieht man es auch viel weniger. Und nun sieht man diese Farben auch bei Komposit. Man sieht also, dass die Leute etwas zunächst schön finden, der Preis aber dennoch einen Einfluss darauf hat.
Jerry Helmers: Schön. Ein weiterer Trend in der Küchenbranche, aber vielleicht sogar ein weltweiter Trend: künstliche Intelligenz, technologische Entwicklungen. Was kannst du dazu sagen? Und was muss der Verkäufer im Showroom mittlerweile alles darüber wissen?

[27:24] Künstliche Intelligenz und die Gastronomiebranche
Leo van der Velde: Das ist natürlich ein unglaublich interessantes und komplexes Thema. Und wie wird das unser Leben verändern? Im Marketing sieht man es bereits: Jeder kann selbst etwas in ChatGPT eingeben und sehen, wie ein Text verbessert wird. Und dann kann man sagen: Schreibe ihn charmanter oder schreibe ihn verkaufstechnisch besser. Das sieht man also schon, dass jeder das nutzt.
Jerry Helmers: Ja, es hat sich in den letzten zwei, drei Jahren voll und ganz durchgesetzt.
Leo van der Velde: Auch meine Kinder haben es oft benutzt.
Jerry Helmers: Aber ich weiß, dass du als Geschäftsführer, als Direktor, dir doch auch Gedanken darüber machst, was KI für Dekker Zevenhuizen und damit auch für die Branche bedeuten kann.
Leo van der Velde: Ja, wenn man sich das ansieht, fallen einem tatsächlich einige Dinge auf, die durch den Einsatz von KI unsere Prozesse verbessern könnten. Wir haben zum Beispiel seit einem halben Jahr eine Projektgruppe, die versucht, die Zeichnungen, die wir erhalten, zu scannen, um zu prüfen, ob wir damit unsere Produktkonfiguratoren füllen können. Dass man eigentlich alle Informationen, die auf einer Küchenarbeitsplatte stehen, mit dieser Mustererkennung mittels KI … Röntgenbilder werden durch KI besser gescannt als von sehr guten Chirurgen. Man kann also Mustererkennung nutzen, um dort beispielsweise Krebszellen zu erkennen. Nun, dann muss es auch möglich sein, eine Zeichnung zu scannen – und ich weiß, dass andere Unternehmen daran arbeiten –, wie man die Zeichnungen und die Informationen so scannt, dass man damit tatsächlich den Auftrag bearbeiten kann. Wir haben bei uns einen Trainingsbot laufen, in den wir unser Verkaufshandbuch, unsere Wartungsvorschriften, unsere Montageanleitung… Diese wurden natürlich im Laufe der Jahre jedes Jahr ergänzt und verbessert. Die haben wir alle in so einen Agenten gesteckt und dann verschiedene Agenten drumherum programmiert, um Antworten auf Fragen zu generieren. Nun kommt es auch mal vor, dass eine Unstimmigkeit aus unserem Verkaufshandbuch kommt, weil der Bot dann eine seltsame Antwort gibt. Und es stellt sich heraus, dass wir das vor zehn Jahren geschrieben und nicht verbessert haben. Aber hier steht etwas anderes geschrieben, also nimmt man das raus. Aber es hilft auch uns. Wir sagen immer: Wir wollen den Menschen dazwischen haben. Also tippt unser Innendienstmitarbeiter die Frage ein, erhält die Antwort und kann nun noch gut beurteilen: Ist eine solche Frage oder Antwort überhaupt geeignet?
Jerry Helmers: Aber muss ein Verkäufer im Showroom sich damit auskennen?
Leo van der Velde: Nein, aber auch im Showroom kann einiges passieren. Stell dir vor: Du gehst zur KI und sagst: „Mir gefallen diese Bilder auf Instagram – kannst du mir eine Küche entwerfen? Und hier ist mein Grundriss.“ Dann siehst du, dass die KI bereits Küchen entwirft und Vorschläge macht.
Jerry Helmers: Ist es nicht auch so, dass der Verbraucher heutzutage schon mit einem eigenen Entwurf, den er sozusagen in ChatGPT erstellt hat, in den Fachhandel kommt und sagt: „Hallo, lieber Küchenfachhandel, das ist es, was ich haben möchte“?
Leo van der Velde: Ja, ich glaube, das kommt noch relativ selten vor. Aber es gibt natürlich viele junge Leute, die fast alles mit KI entwickeln, und es ist natürlich gut möglich, dass die Leute auf diese Weise selbst mit Entwürfen zu uns kommen. Was man von den Einrichtungsstudios sehr oft hört, ist, dass die Leute mit einer Art Moodboard hereinkommen. Dass sie auf Pinterest alles für sich zusammengestellt haben. Zum Beispiel: Das gefällt mir, ein Sofastil mit einem Gemälde, einem Vorhang und einem Bodenbelag. Und das ist die Art von Stil, in der ich etwas sehe.
Jerry Helmers: Und sollte Dekker Zevenhuizen darauf nicht reagieren? Denn der Markt verändert sich ja gerade in Bezug darauf, wie Verbraucher ihre Entscheidungen treffen oder welche Überlegungen sie anstellen, um zu einer Entscheidung zu gelangen. Ja, als Dekker Zevenhuizen muss man doch darauf reagieren, oder?
Leo van der Velde: Zunächst einmal ist es natürlich so, dass die Einzelhändler darüber nachdenken. Es sind ihre Ausstellungsräume, es sind ihre Geschäfte. Sie geben den Verbrauchern Hilfestellung, um zu einem guten Entwurf zu gelangen. Viele Dinge, die man aus der KI gewinnt, sind auch nicht ganz perfekt. Man muss das ständig überprüfen. Ich habe mir dort aus Spaß eine Küche einrichten lassen. Nun, das ist keine funktionsfähige Küche. Und da waren einfach drei Kochfelder drin. Da denkt man sich dann: Ja, was soll man damit? Das war kein Wunsch, den ich hatte. Zwei Geschirrspüler würde ich jedem empfehlen. Aber drei Kochfelder sind auch etwas übertrieben. Also, und ich denke, der Mensch, der Sympathiefaktor, ist entscheidend. Und KI hat zumindest noch keinen Sympathiefaktor. Ich weiß nicht, wie das in Zukunft aussehen wird. Aber der Mensch ist in diesen Küchenfachgeschäften unglaublich wichtig. Er schafft diesen Sympathiefaktor und gibt Orientierung darüber, was man eigentlich haben möchte, was man nutzen möchte. Und KI kann den Verbraucher auf vielfältige Weise mit Informationen versorgen – über Produkte, darüber, was ihm gefällt. Und natürlich kann der Fachhandel das auch selbst nutzen, um seine Informationen bereitzustellen. Wissensdatenbank, FAQs, häufig gestellte Fragen. Und es ist natürlich ziemlich schwierig, diese Datenbank aufzubauen. Man muss über die Frage nachdenken und über die Antwort nachdenken. Ja, jetzt haben wir so einen Assistenten, in den wir alles hineingepackt haben. Und man kann diesem Ding einfach eine normale Frage stellen. Und dann gibt es eine Antwort. Und das ist natürlich noch lange nicht perfekt. Aber das wird es noch werden. Das bedeutet also auch, dass diese Informationen dem Fachhandel zur Verfügung stehen. Aber irgendwann stehen sie natürlich auch Menschen zur Verfügung, die sich nicht fachlich damit beschäftigen, also den Verbrauchern. Und dann stellt sich immer die Frage, die Gefahr: Was schließt jemand aus dem, was er aus dem System entnimmt? Und dann ist es wieder superwichtig, dass der Verkäufer, der Designer, diese Erklärung gibt und dem Kunden hilft, damit der Kunde ein Gefühl dafür bekommt.

[32:22] Ausbildung und Fachwissen des Küchenverkäufers
Jerry Helmers: Bildet sich dieser Verkäufer denn selbst ausreichend weiter? Muss er sein Wissen nicht auch immer wieder auffrischen?
Leo van der Velde: Ja, das ist auch ziemlich viel Arbeit.
Jerry Helmers: Aber passiert das auch?
Leo van der Velde: Ich glaube, es wird unglaublich viel Zeit darauf verwendet, wie man einen Entwurf erstellt und welche Kenntnisse man über welche Produkte hat. Vielleicht reicht es nie ganz aus, aber es ist wirklich nicht einfach, eine gute Küche zu entwerfen. Man sollte sich diese Küchenbücher einmal nebeneinander legen und dann die Arbeitsplatten. Schau dir mal unser eigenes Buch an, wenn du eine Arbeitsplatte aussuchen möchtest, und was du beim Entwerfen beachten musst, mit Ecken und Kanten und Aussparungen und den verschiedenen Spülbecken und Kochfeldern, die du darin haben möchtest. Nun, da muss man wirklich ein bisschen Ahnung von der Sache haben, um sie gut verkaufen und anschließend auch gut bestellen zu können, damit sie dann auch noch richtig eingebaut werden kann. Nun, natürlich kann KI vieles, aber das wird noch eine Weile dauern. Und ich glaube, dass sie manchmal unterschätzt wird. Ich habe schon Leute sagen hören: Ja, ein Küchenverkäufer ist so etwas wie ein Gebrauchtwagenhändler. Ich möchte nichts gegen Autohändler sagen, die den besten Ruf haben. Und das finde ich wirklich völlig ungerechtfertigt. Wenn man bedenkt, wie viel Wissen und Fachkompetenz und Unterstützung dahintersteckt und wie glücklich die Leute sind, wenn sie die Küche gekauft haben, wie sehr ihnen damit geholfen wurde. Und natürlich gibt es überall gute und schlechte Beispiele, aber ich glaube, dass die Qualitäten von Küchenverkäufern wirklich unterschätzt werden.
Jerry Helmers: Du bist ein wahrer Botschafter jedes Showrooms, egal ob Mann oder Frau. Wenn ich das so höre, oder?
Leo van der Velde: Ich denke, wenn man sich den Einzelhandel ansieht, dann lässt sich über den Mehrwert eines Küchenstudios streiten, wenn man das möchte. Tatsächlich laufen Küchenausstellungsräume aber unglaublich gut, weil die Verbraucher offenbar sehr schätzen, was in diesem Küchenstudio passiert. Wenn man einen Elektrofachmarkt hat: Vor 20 Jahren gab es Elektrofachmärkte, man ging dorthin, um eine Waschmaschine oder einen Fernseher zu kaufen und so weiter. Nun, die sind natürlich alle weg. Sogar MediaMarkt und Saturn wurden an irgendeinen chinesischen Großkonzern verkauft, weil es nur um ein halbes Prozent mehr oder weniger geht. Jeder sucht im Internet: Was kann das Gerät, was kostet es? Und dann wollen sie das billigste. Und der Mehrwert ist relativ begrenzt. Und die Gewinnspannen sind auch sehr begrenzt, weil der Verbraucher nicht das Gefühl hat, für etwas zu bezahlen, das ihm etwas wert ist. Nun, in der Küchenbranche ist das aber der Fall. Dort spürt der Verbraucher offenbar den Mehrwert, den der Küchenverkäufer bietet. Man darf also nicht unterschätzen, dass ein solcher Küchenverkäufer offenbar doch etwas sehr Gutes leistet.

[34:43] Kochen, Wohnen und die Küche der Zukunft
Jerry Helmers: Okay. Was ist aus Verbrauchersicht der wichtigste Trend im Bereich Kochen?
Leo van der Velde: Ja, das ist eine interessante Frage.
Jerry Helmers: Zu guter Letzt.
Leo van der Velde: Ja, wenn ich daran denke, fällt mir spontan ein Vortrag ein, den Professor Latten vor ein paar Wochen bei uns im Aufsichtsrat gehalten hat. Er war Chefökonom beim Statistischen Zentralamt und hatte eine umfassende Analyse darüber erstellt, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird. Demografische Entwicklungen, Migrationswelle, Clusterbildung.
Jerry Helmers: Er ist doch derjenige, der dieses bekannte Buch geschrieben hat. Zumindest lese ich das regelmäßig irgendwo. Meinst du diesen Professor?
Leo van der Velde: Professor Latten ist gerade dabei, ich weiß nicht, welches Buch du meinst. Aber er beschäftigt sich mit demografischen Entwicklungen, soziodemografischen Entwicklungen. Und er ist auch Professor in Amsterdam. Und der hat also gezeigt, wie es in 10, 15 Jahren eigentlich aussehen wird. Und dann sagt er: Man hat eigentlich eine Clusterbildung. Es gibt eine enorme Clusterbildung in der Randstad, also rund um die großen Städte. Und diese Wohnungen müssen dort alle kleiner sein, denn sonst wird es viel zu teuer. Und wir bewegen uns auch stark in Richtung Einpersonenhaushalte. Ja, Menschen lassen sich scheiden oder wenn sie alt sind und sich trennen, oder wollen gar nicht mehr zusammenleben. Dazu hatte er alle möglichen Theorien. Und letztendlich bekommt man eine riesige Menge kleiner Wohnungen, 40, 50 Quadratmeter groß, in denen alles stattfinden muss. Und man hat Doppelverdiener, die am Rande der Stadt in einem Einfamilienhaus wohnen. Und die haben etwas mehr Möglichkeiten für etwas größere Küchen mit Kochinseln. Aber in diesen 40 Quadratmetern muss man alles integrieren. Die Küche muss dort integriert werden.
Jerry Helmers: Werden die Leute mehr kochen? Werden sie sich eher für exotische Gerichte entscheiden? Oder eher für einfache Gerichte? Und exotisches Essen wird ja ohnehin außer Haus genossen.
Leo van der Velde: Das ist wirklich lustig, was du da sagst. Denn er meinte: Es gibt also auch Trends, zum Beispiel in New York, bei denen man sieht, dass einfach keine Küche mehr vorhanden ist. Weil die Leute im Grunde genommen einfach draußen essen. Und ja, wenn man sich dort nur noch 30 Quadratmeter leisten kann, macht man dann noch eine Küche? Er sah hier eigentlich genau diese Entwicklung, dass die Küche in den Wohnbereich integriert wird. Die Küche ist dann also der Tisch.
Jerry Helmers: Ist das nicht ohnehin schon so?
Leo van der Velde: Nein, aber in diesem kleinen Raum. Da ist also kein Platz für eine richtig große Küche, denn dann bleibt kein Platz für einen Stuhl, einen Tisch oder einen Fernseher. Und so kam es dazu, dass man eigentlich einen Raum hatte, einen integrierten Raum, klein, in dem diese Küche multifunktional ist.
Jerry Helmers: Ja, es ist also schon etwas mehr, als nur eine Mikrowelle auf einen Hocker zu stellen.
Leo van der Velde: Ja, wir haben zum Beispiel einmal ein Kochfeld vorgestellt, das man unter die Arbeitsplatte klebt. Und mittlerweile gibt es mehrere davon im Handel. Viele Marken, die sich mit Induktion auskennen, haben das inzwischen auf den Markt gebracht.
Jerry Helmers: Aber wenn man schon darüber spricht, wie die Küche der Zukunft aussehen wird – die Küche von, sagen wir mal, dem Jahr 2040 –, dann muss man sagen: Wir müssen berücksichtigen, dass wir alle in kleineren Wohnungen leben werden.
Leo van der Velde: Sehr viele Menschen ziehen in kleinere Wohnungen.
Jerry Helmers: Dass sehr viele Menschen in kleinere Wohnungen ziehen, ganz gleich, was der Grund dafür ist. Und damit auch die Modularität der verschiedenen Küchenelemente.
Leo van der Velde: Diese Küchenarbeitsplatte ist dann auch dein Esstisch. Dort spielst du auch Spiele. Dort sitzt du auch und arbeitest, wenn du deine Arbeit erledigen musst. Solche Entwicklungen wirst du also beobachten können. Man sieht auch, dass die Menschen wahrscheinlich immer weniger Zeit damit verbringen werden, zu essen – nicht, wenn man Gäste einlädt, sondern ganz allgemein. Daher ist es wichtig, wie man sein Essen dennoch schnell zubereiten kann. Ich war zufällig in Osaka auf der Weltausstellung und dort gab es eine Präsentation über die Küche der Zukunft. Und da sah man dann einen KI-generierten Opa, der in einem Pflegeheim saß, aber als Avatar anwesend war. Der saß auch am Tisch und feierte seinen Geburtstag mit. Und eigentlich war alles digitalisiert. Aber was es tatsächlich gab, war, dass sie alle in der Küche um den Esstisch herum gemütlich einen Geburtstag feierten. Die Idee dahinter war also, ausgehend von dieser japanischen Philosophie, dass letztendlich das Miteinander im Vordergrund steht – egal, ob man physisch anwesend ist oder virtuell als Avatar –, dass man gemeinsam den Geburtstag seines Enkels am Esstisch mit einem Kuchen feiert. Und so wird die Küche eigentlich immer mehr zum Zentrum des gemeinsamen Tuns und der Multifunktionalität. Ja, solche Entwicklungen, denke ich, wird man im Gehirn und in der Küche sehen.
Jerry Helmers: So verbindet die Küche. Kochen verbindet.
Leo van der Velde: Ja, es ist einfach das Herzstück. Und wir bei Dekkers sagen immer: Die Arbeitsplatte ist das Aushängeschild Ihrer Küche. Das ist also auch noch der wichtigste Teil. Das wollte ich noch kurz anmerken.
Jerry Helmers: Na gut, du hast später noch deine 90 Sekunden Redezeit für den Werbeblock.
Leo van der Velde: Ich werde das nicht 90 Mal hintereinander wiederholen.
Jerry Helmers: Nein, das stimmt. Aber das kannst du dir selbst ausdenken. Nun, bevor wir zu den 90 Sekunden kommen, würde ich dich doch gerne fragen: Können wir hier zwei oder drei gute Tipps für Unternehmer geben, mit denen diese Küchenspezialgeschäfte morgen loslegen können? Oder überfalle ich dich jetzt mit dieser Frage?

[39:34] Unternehmertum und Verbundenheit mit der Umgebung
Leo van der Velde: Nein, was ich sehr wichtig finde, ist: Diese Küchenspezialgeschäfte sind oft Familienunternehmen oder werden von Selbstständigen geführt, und sie schaffen Verbindungen. Ich war letzten Freitag – und das erzähle ich gerne – bei KBC Scharnegoutum in Friesland, wo das 50-jährige Jubiläum gefeiert wurde. Der Unternehmer war mittlerweile fast 80 und hielt eine Rede. Und seine beiden Söhne, die das Unternehmen bereits seit acht, neun Jahren leiten, waren auch da. Und was war noch da? Da waren ihre Kinder, die Radsport betreiben und eine Wohltätigkeitsaktion organisiert hatten. Und andere gingen joggen und hatten ebenfalls eine Wohltätigkeitsaktion organisiert. Die Stadträtin war da, denn sie erhielten eine Urkunde, da sie in ganz Friesland weltberühmt waren. Und dort sah man eigentlich, wie eine enorme Verbundenheit entstand. Und es wurde Geld gesammelt, indem man schnell Rad fuhr und schnell lief. Und das ging an eine Stiftung.
Jerry Helmers: Aber was ist denn nun der Tipp?
Leo van der Velde: Die Verbindung zum Zusammenhalt in der Umgebung. Dass man als Unternehmer im Leben steht. Man schafft Arbeitsplätze, man stellt schöne Produkte her. Man trägt zum Zusammenhalt in der Gesellschaft bei.
Jerry Helmers: Ist das dann eine Form von sozial verantwortlichem Unternehmertum? Dass man also im Grunde sagt: „Lieber Küchenspezialist, sponsere doch den örtlichen Tennisverein.“.
Leo van der Velde: Das kannst du machen, das ist auch in Ordnung.
Jerry Helmers: Ja, aber ich versuche gerade zu verstehen, was du damit genau meinst.
Leo van der Velde: In diesem Fall wurden Spenden gesammelt, um auch Kindern aus einkommensschwachen Familien vor Ort die Teilnahme an Sportveranstaltungen und Ausflügen zu ermöglichen. Was mir aber wichtig ist: Wenn wir uns alle immer weiter voneinander entfernen, gibt es kein Engagement und keinen Zusammenhalt. Und dann haben wir überall auf der Welt Einzelgänger. Und das macht das Leben in Bezug auf das Wohlbefinden nicht besser.
Jerry Helmers: Aber wie sieht das konkret aus? Ich bin wirklich noch auf der Suche nach einem ganz konkreten Tipp. Der Podcast geht bald zu Ende, und der Hörer denkt sich: Okay, was habe ich gehört und was werde ich morgen früh tun?
Leo van der Velde: Was ich sehr schätze und was ich daher bei Unternehmern besonders gerne sehe, ist, dass sie sich in ein Netzwerk einbringen, durch das sie Zusammenhalt und Engagement in der Umgebung schaffen, in der sie selbst leben. Ob das nun der Fußballverein, der Tennisclub oder eine Schule ist – wichtig ist, dass man sich als Unternehmen gemeinsam dafür einsetzt, dass es in der Region Arbeitsplätze gibt, dass Produkte hergestellt werden und dass es Schulen gibt. Dieses Unternehmertum…
Jerry Helmers: Ist das nicht ohnehin schon geschehen?
Leo van der Velde: Ja, aber genau das muss man pflegen. Man muss dafür sorgen, dass man das weiterhin tut und dass man sich nicht voneinander entfernt, verbittert wird und denkt: Na ja, ich verkaufe eben ein bisschen, und der Rest ist mir egal, denn bald wird es auf der ganzen Welt kein Öl mehr geben.
Jerry Helmers: Kurz gesagt: Zeige Interesse an deinem unmittelbaren Umfeld und setze dich dafür ein.
Leo van der Velde: Ja, denn deine Kunden sind natürlich auch einfach die Menschen aus deiner unmittelbaren Umgebung. Und ich denke, dass das – und das tun wir als Unternehmen auch – unserer Familie wichtig ist. Das hat in Zevenhuizen angefangen, und das versuchen wir an allen Standorten umzusetzen. Und ich denke, dass es ein unglaublicher Mehrwert ist, mit beiden Beinen fest in der Erde zu stehen und sich für seine Umgebung zu engagieren – das ist auch die Qualität eines KMU-Unternehmers, auch in der Küche.
Jerry Helmers: Das ist der erste Tipp. Hast du noch einen zweiten Tipp für Unternehmer?

[42:27] Als Unternehmer weiterhin einzigartig bleiben
Leo van der Velde: Ja, ein zweiter Tipp für Unternehmer ist: Ich habe mir ein paar deiner Podcasts noch einmal angehört, und da hört man ziemlich oft Ratschläge zu Küchenstudios und so weiter und… Was ich so unglaublich schön finde, ist, dass es unglaublich viele Unternehmer gibt, die auf ihre eigene Art und Weise etwas bewegen. Die selbst innovativ sind. Manche machen TikTok-Videos und sind damit supererfolgreich. Andere konzentrieren sich auf Nachhaltigkeit und machen daraus eine Geschichte. Manche stellen extrem schöne und teure Küchen her. Andere machen es den Menschen einfach, bei ihnen eine einfache Küche zu kaufen. Und was ich also unglaublich schön finde, ist diese Vielfalt an Unternehmern, die es alle auf ihre eigene Art und Weise tun und Mehrwert für Kunden schaffen. Und das möchte ich wirklich sagen. Das finde ich toll und das finde ich gut. Und das solltet ihr vor allem weitermachen.
Jerry Helmers: Ihr solltet nicht alle gleich werden. Mein Tipp lautet also: Werdet nicht alle gleich.
Leo van der Velde: Das ist der Tipp.
Jerry Helmers: Ich versuche gerade, das Ganze ein bisschen zu konkretisieren.
Leo van der Velde: Das sind Dinge, die ich einfach sehr schätze, wenn ich mir die Küchenbranche anschaue, und bei denen ich sehe, dass die Kunden sie offenbar ebenfalls schätzen, da sie bereit sind, diesen Mehrwert in den Geschäften zu erkennen. Und dass man natürlich empfehlen kann: Wir haben wunderschöne, schöne, nachhaltige Produkte, kaufen Sie diese, denn damit kommen Sie sehr gut zurecht. Und dass wir zum Beispiel die Color Experience entwickelt haben, damit man sehr große Platten im Showroom schön betrachten kann.
Jerry Helmers: Aber das musst du in den 90 Sekunden erzählen.
Leo van der Velde: Nein, aber ich meine, wir als Zulieferer müssen auch dafür sorgen, dass wir den Fachhandel unterstützen. Mit ansprechenden Präsentationen, mit neuen Techniken, mit attraktiven Produkten, um es ihnen leicht zu machen.
Jerry Helmers: Aber das kannst du in den 90 Sekunden erzählen, denn wir sind jetzt fast so weit. Ich nenne das immer die Werbepause, also warne ich die Zuhörer schon mal vor: Achtung, jetzt kommt eine anderthalbminütige Werbepause. Ich weiß nicht, ob du etwas vorbereitet hast, aber du darfst eineinhalb Minuten lang ganz nach Belieben erzählen, was du erzählen möchtest. Ich werde dich nicht unterbrechen. Ich werde hier auch die Uhr stellen.
Leo van der Velde: Ach, dann verstehe ich.
Jerry Helmers: Meine Frage richtet sich nun natürlich an dich: Bist du bereit für deine 90 Sekunden?
Leo van der Velde: Ja, ich bereite mich gerade mental darauf vor. Und wenn du ja sagst, dann gehe ich auf jeden Fall.

[44:15] Die 90-sekündige Redezeit
Leo van der Velde: Bei Dekker ist es unser Ziel, unseren Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten zu vermitteln, dass wir nicht nur der größte, sondern auch der beste Anbieter von maßgefertigten Arbeitsplatten in Europa sind. Und deshalb gibt es eigentlich zwei Säulen, über die ich sprechen möchte. Und ich denke, ein Teil davon wurde bereits ausführlich angesprochen. Der erste Punkt lautet: Bei Dekker macht die Arbeit Spaß. Bei Dekker macht die Arbeit Spaß. Und das hängt mit dem zusammen, worüber ich gesprochen habe, nämlich mit diesem enormen Sympathiefaktor, den man haben muss. Unsere Kunden haben einen Sympathiefaktor gegenüber den Verbrauchern, und ich hoffe, dass wir einen Sympathiefaktor gegenüber unseren Kunden haben und dass sie das auch so empfinden und somit das Gefühl haben, dass es Spaß macht, mit Dekker zu arbeiten. Und der zweite Punkt, der sehr wichtig ist, lautet: Bei Dekker läuft es rund. Denn wenn man das sieht – ich habe dir früher schon einmal mit Arie Dekker gesagt: Jeder muss weiterarbeiten. Aber im Moment ist es ziemlich schwierig, gute Mitarbeiter zu finden, vor allem in Produktionsumgebungen. Es herrscht natürlich Personalmangel. Und wie sorgt man dafür, dass man gemeinsam das Gefühl hat, dass es auch schön ist, zusammenzuarbeiten? Dass man mir gegenüber ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt. Wir haben also einen Verhaltenskompass erstellt, in dem steht, dass man sich dazu hingezogen fühlen muss, Spitzenqualität zu liefern. Das bedeutet nicht, dass man perfektionistisch sein muss, aber man darf auch nicht denken: Na ja, na ja, das war gut gemeint. Ehrgeizig, mutig, aufgeschlossen, aufmerksam. Wenn du dich in diesen Werten wiedererkennst, dann solltest du eigentlich den Raum haben, dich in unserem Unternehmen weiterzuentwickeln. Und zwar nicht nach dem deutschen Modell, sondern nach dem niederländischen Modell, von dem wir gesprochen haben, bei dem du selbst Verantwortung übernimmst. Und wenn du mehr darüber erfahren möchtest, schau mal auf www.mydekker.com.
Jerry Helmers: Verrückter geht’s kaum. Heute war der große Chef von Dekker hier. Ja, ich glaube, jetzt muss ich mir auch mal ein Reimchen ausdenken, inspiriert von deinen Reimen in deinen 90 Sekunden Redezeit. Du hast etwas mehr als 90 Sekunden gebraucht, aber das verzeihe ich dir. Mann, was kannst du erzählen! Du bist wirklich ein echter Botschafter des Unternehmens, finde ich. Aber das muss man ja auch sein, wenn man diesen Job hat, oder?

[46:22] Familienunternehmen, Kontinuität und Begeisterung
Leo van der Velde: Ja, es ist einfach ein unglaublich tolles Unternehmen. Deshalb ist unsere Mentalität auch nicht, einfach nur das Übliche zu tun. Nicht, dass man sich aufspielt, sondern einfach Dinge in die Hand nimmt und dabei außergewöhnlich unternehmerisch handelt. Und ja, das Schöne ist, dass bei uns die Gesellschafter beschlossen haben, alle Gewinne wieder in das Unternehmen zu investieren, um innovativ und nachhaltig zu wirtschaften. Und das ist natürlich auch eine ganz besondere Art, dass die Familie das eigentlich bestimmt. Und das sorgt für diese Kontinuität, und das ist schon schön.
Jerry Helmers: Wenn man dann an der Spitze der oberste Adler sein darf, würde ich es so ausdrücken.
Leo van der Velde: Na ja, oder ob die umgedreht ist und die untere.
Jerry Helmers: Wie diese Pyramide genau aufgebaut ist, musst du selbst vor Ort herausfinden. Aber du verstehst, was ich meine. Nein, aber ich fände es wirklich toll, jeden Tag in einem Unternehmen zu arbeiten, das einen solchen Ansatz verfolgt.
Leo van der Velde: Ja, es fällt schwer, nicht begeistert zu sein.
Jerry Helmers: Es fällt schwer, nicht begeistert zu sein. Bist du begeistert von dem Podcast, den wir bisher aufgenommen haben? Wir haben uns, wenn ich mich recht erinnere, etwa fünfzig Minuten lang unterhalten.
Leo van der Velde: Ja, es hat mir Spaß gemacht, mit dir darüber zu plaudern. Wir waren uns ziemlich ebenbürtig.
Jerry Helmers: Ich hatte gehofft, dass es auch für die Leute ein bisschen interessant war. Na ja, ob die Zuhörer wohl noch da sind? Die, die jetzt zuhören, sind noch da, also vielen Dank fürs Zuhören. Ja, das ist sehr gut. Zunächst einmal möchte ich dir, Leo, ganz herzlich dafür danken, dass du hierher ins Studio in Weert gekommen bist. Und natürlich sage ich auch allen Zuhörern: Ja, vielen Dank fürs Zuhören. Sie haben Keukencast gehört, den Podcast für alle Fachleute in der Küchenbranche. Natürlich ermöglicht durch die Louwers Mediagroep. Projektleiter ist Folkert van der Werf. Die Technik liegt und lag und bleibt in den Händen von Daan Halters. Mein Name ist Jerry Helmers. Ich bin und bleibe Ihr Podcast-Moderator. Ich sage noch einmal: Bis zum nächsten Mal. Vielen Dank fürs Zuhören.

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