Die Küchenbranche steht an der Schwelle zu einer neuen Phase. Sich wandelnde Wohnformen, der Aufstieg der künstlichen Intelligenz, ein wachsendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und immer kritischere Verbraucher sorgen dafür, dass sich die Rolle der Küche weiter entwickelt. Eines bleibt jedoch unverändert: Die Küche ist nach wie vor der Ort, an dem Menschen zusammenkommen.
Dieses Bild wurde in einem Gespräch mit Leo van der Velde, dem Geschäftsführer von Dekker Zevenhuizen, deutlich. Seiner Meinung nach achten Verbraucher heutzutage nicht mehr nur auf das Aussehen einer Küche. Fragen zur Herkunft der Materialien, zur Nachhaltigkeit, zur Gesundheit und zu den Produktionsbedingungen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit jedoch selten der ausschlaggebende Kaufgrund. Verbraucher entscheiden sich nach wie vor vor allem aufgrund von Optik, Farbe und Funktionalität.
Das bedeutet laut Van der Velde nicht, dass Nachhaltigkeit an Bedeutung verliert. Im Gegenteil. Die Herausforderung für Hersteller und Lieferanten besteht gerade darin, Produkte zu entwickeln, die nachhaltig sind, ohne dass die Verbraucher Abstriche bei Design, Qualität oder Preis machen müssen.

Erst wenn nachhaltige Lösungen mindestens genauso attraktiv sind wie herkömmliche Alternativen, entsteht eine echte Wirkung. Produkte müssen nicht nur umweltfreundlich sein, sondern auch schön, praktisch und erschwinglich. “Wenn sie genauso teuer sind, dann will sie jeder kaufen”, fasst Van der Velde zusammen.
Auch bei den Materialien sind deutliche Veränderungen zu beobachten. Während vor einigen Jahren noch dunkle und graue Farbtöne dominierten, gewinnen warme Erdfarben, Sandtöne und natürliche Nuancen zunehmend an Bedeutung. Diese Entwicklung entspricht einem allgemeinen Bedürfnis nach Ruhe, Wärme und Geborgenheit in der Inneneinrichtung.
Dabei achtet der Verbraucher immer häufiger auf die gesamte Geschichte hinter einem Produkt. Transparenz in Bezug auf Produktionsprozesse, Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung. Das bietet dem Fachhandel Chancen, sich durch Fachwissen und Beratung von der Konkurrenz abzuheben.
Darüber hinaus spielt Technologie innerhalb der Branche eine immer größere Rolle. Künstliche Intelligenz wird bereits heute für die Textverarbeitung, das Wissensmanagement und die Prozessoptimierung eingesetzt. Auch Dekker Zevenhuizen untersucht, wie KI unter anderem bei der Verarbeitung von Zeichnungen und der Bereitstellung von Produktwissen helfen kann.
Dennoch geht Van der Velde nicht davon aus, dass Technologie den Küchenverkäufer ersetzen wird. Gerade der menschliche Faktor bleibt von entscheidender Bedeutung. Ein guter Küchenberater setzt Wünsche in einen praktischen Entwurf um, stellt die richtigen Fragen und hilft den Verbrauchern bei der Entscheidungsfindung. “Dieser Mensch ist in den Küchenfachgeschäften unglaublich wichtig”, betont er.
Auch Verbraucher werden zunehmend KI-Tools nutzen, um sich inspirieren zu lassen oder erste Entwürfe zu erstellen. Das verändert zwar den Verkaufsprozess, nicht jedoch den Bedarf an fachkundiger Beratung.

Die Art und Weise, wie wir wohnen, wird die Küche von morgen stark beeinflussen. Durch die Urbanisierung, kleinere Wohnungen und eine wachsende Zahl von Einpersonenhaushalten gewinnt die multifunktionale Raumnutzung zunehmend an Bedeutung. Die Küche entwickelt sich dadurch weiter zu einem zentralen Lebensraum, in dem Kochen, Essen, Arbeiten und Zusammensein zusammenkommen.
Arbeitsplatten werden zunehmend als Esstisch oder Heimarbeitsplatz genutzt, und Küchengestaltungen müssen sich an kompaktere Wohnräume anpassen. Funktionalität und Flexibilität sind daher mindestens genauso wichtig wie Ästhetik. Oder wie Van der Velde es formuliert: “Die Arbeitsplatte ist das Gesicht der Küche.”
Für Unternehmer in der Gastronomiebranche sieht er dabei eine klare Aufgabe. Nicht, indem sie alle denselben Weg einschlagen, sondern gerade dadurch, dass sie ihre eigene Identität bewahren. Die Stärke der Branche liegt seiner Meinung nach in der Vielfalt der Unternehmer, Konzepte und Kundenansätze. Sein Rat ist klar: “Werdet nicht alle gleich.”
Denn ganz gleich, wie sehr Technologie, Nachhaltigkeit und Wohntrends die Branche auch verändern mögen – letztendlich bleibt die Küche ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Und genau darin liegt laut Van der Velde die beständige Stärke der Branche.
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